Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat der Hamas mit einer Wiederaufnahme der Angriffe im Gazastreifen gedroht. „Wir sind darauf vorbereitet, die Kämpfe jederzeit wieder aufzunehmen, unsere Einsatzpläne sind fertig“, sagte Netanjahu am Sonntag bei einer Zeremonie für Armee-Offiziere in der Stadt Cholon.
Seit dem 19. Januar gilt eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. Allerdings werfen sich beide Seiten eine Gefährdung der Feuerpause vor. Auf Grundlage des Waffenruhe-Abkommens hatte die Hamas bisher 28 Gefangene an Israel übergeben. Im Gegenzug wurden mehr als 1.100 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen freigelassen.
Am Samstag hatte Netanjahu die eigentlich für diesen Tag geplante Freilassung weiterer Palästinenser jedoch ausgesetzt. Er warf der Hamas vor, israelische Festgehaltene bei deren Übergabe „demütigend“ behandelt zu haben. Zuvor hatte die palästinensische Widerstandsgruppe weitere sechs Israelis ausgehändigt.
Netanjahu sagte, Israel werde die Haftentlassungen von Palästinensern verschieben, „bis die Freilassung der nächsten Geiseln ohne demütigende Zeremonien sichergestellt ist“. Der hochrangige Hamas-Vertreter Bassem Naim warnte daraufhin am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, Israel setze durch sein Handeln „das gesamte Abkommen großer Gefahr“ aus.
Netanjahu sagte während der Militärzeremonie, Israel werde seine Ziele „entweder mit Verhandlungen oder mit anderen Mitteln“ vollständig erreichen.
Derzeit befindet sich die Waffenruhe in einer ersten Phase, die am kommenden Wochenende ausläuft. In dieser Phase soll die Hamas noch vier weitere Israelis übergeben. Die zweite Phase der Waffenruhe soll dann zu einer endgültigen Beendigung des Krieges führen. Die Verhandlungen über diese zweite Phase haben bislang jedoch noch nicht begonnen.
Israel begann nach dem Vergeltungsschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 einen Vernichtungskrieg in Gaza. Nach palästinensischen Angaben wurden bisher mehr als 48.300 Menschen getötet und mindestens 111.800 weitere verletzt.